Was ist, wenn es plötzlich leicht sein darf?
Leichtigkeit statt Druck: Das ist die Entscheidung, um die es in diesem Artikel geht. Und sie beginnt mit drei Sätzen, die du wahrscheinlich kennst:
„Das Leben ist kein Ponyhof.“ „Im Business musst du die Arschbacken zusammenkneifen und auch mal durch.“ „Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“
Kennst du diese Sätze? Wahrscheinlich schon, denn du hast sie sicher nicht erfunden. Sie stammen von deinen Eltern, deinen Lehrern, deinem ersten Chef, vielleicht von einer ganzen Generation, die selbst leider nichts anderes gelernt hat. Und irgendwann sind sie nicht mehr nur Sätze geblieben, die andere gesagt haben. Sie sind zu deinen eigenen Gedanken geworden. Zu einer Linse, durch die du dein ganzes Leben betrachtest.
Und das Fiese daran: Genau diese Gedanken erschaffen oft genau das, wovor sie dich eigentlich warnen wollten.
Der Glaubenssatz, der sich selbst erfüllt
Wenn du fest davon überzeugt bist, dass Erfolg nur durch Kampf, Druck und Selbstaufgabe kommt, dann wirst du auch genau diesen Weg gehen.
Du wirst dich anstrengen, bis es wehtut.
Du wirst Pausen als Schwäche werten.
Du wirst jedes Zeichen von Leichtigkeit misstrauisch beäugen, so nach dem Motto: Wenn es sich gerade gut anfühlt, dann ist irgendwo noch ein Haken.
Und dann, ganz konsequent, bekommst du genau das: ein Leben, das sich schwer anfühlt. Nicht weil das Leben so ist. Sondern weil du – ohne es zu merken – jeden Tag dafür gesorgt hast, dass es so wird. Durch die Brille deiner Vergangeheit, kreiierst du dir deine Zukunft.
Leichtigkeit statt Druck: heißt das, einfach alles laufen zu lassen?
Hier an der Stelle wird es oft missverstanden. Und ich will das ganz klar sagen, bevor wir weitergehen: Sich für Leichtigkeit zu entscheiden, bedeutet nicht Herausforderungen aus dem Weg zu gehen. Es bedeutet nicht, nach dem Motto „dann soll es halt nicht sein“ alles auszublenden, was sich vielleicht als HWachstumsgeschenk entpuppt.
Es bedeutet etwas ganz anderes: Verantwortung zu übernehmen: dafür, was du denkst, wie du auf Dinge reagierst, und welche Energie du in etwas hineingibst.
Du kannst dieselbe Aufgabe erledigen, ob mit zusammengebissenen Zähnen oder mit einer inneren Ruhe, die sagt: Ich mache das, weil ich es für richtig halte, nicht weil ich mich quälen muss, damit es zählt. Das Ergebnis kann dasselbe sein. Der Weg dorthin fühlt sich komplett anders an. Und langfristig hält der eine Weg durch, der andere brennt dich aus.
Die Macht deiner Gedanken ist keine Floskel
Leichtigkeit statt Druck klingt jetzt vielleicht erstmal nach einem hübschen Satz für ein Kissen mit Spruch drauf. Ist es aber nicht. Deine Gedanken bestimmen, worauf du achtest, wie du Situationen bewertest, welche Entscheidungen sich für dich richtig oder falsch anfühlen. Wenn dein Grundglaubenssatz lautet „es muss schwer sein, damit es wert ist“, dann wirst du unbewusst jede Abkürzung, jede Erleichterung, jede Hilfe ablehnen. Weil sie nicht zu deiner inneren Geschichte passt. Kommt dir das vielleicht bekannt vor?
Und genau hier fängt die Arbeit an. Nicht damit, dass du dir einredest, alles sei jetzt easy, sondern damit, dass du anfängst, diese übernommenen Sätze zu erkennen. Sie dir bewusst anzuschauen. Und dich zu fragen: Stimmt das eigentlich noch? Oder trage ich das nur mit mir rum, weil es mir mal jemand gesagt hat? Und vielleicht dürfen wir auch hinterfragen, welchen Mehrwert die Menschen haben, die uns solche Glaubenssätze immer noch sehr erfolgreich eintrichtern….
Ein kleiner Perspektivwechsel für den Anfang
Versuch es diese Woche einmal mit dieser Frage, immer wenn du merkst, dass sich etwas schwer anfühlt: Was würde ich jetzt tun, wenn ich wüsste, dass es auch leicht gehen darf?
Nicht, um die Aufgabe zu umgehen. Sondern um herauszufinden, ob der Druck, den du gerade spürst, wirklich von der Aufgabe kommt oder von dem, was du dir selbst darüber erzählst.
Das ist der Kern von Leichtigkeit statt Druck: nicht mehr zu tun, sondern anders zu denken.
Zwei Beispiele aus meinem eigenen Leben
Ich erzähle dir kurz, wie das bei mir konkret aussah.
Vor Jahren, als ich noch in Deutschland in Teilzeit angestellt war, wollte ich unbedingt ein paar Tage die Woche im Homeoffice arbeiten. Bevor ich mit meinem Chef gesprochen habe, habe ich es einem Kollegen erzählt. Seine Antwort: „Das erlaubt der Chef nie. Sigrid hat schon gefragt, er will das ganz sicher nicht.“
Ich habe diesen Satz nicht als meine Wahrheit übernommen. Ich habe mich stattdessen entschieden, es trotzdem durchzusetzen, mit einer inneren Klarheit und einem ganz einfachen Glaubenssatz: Ich schaffe das. Ich hab mir das Gespräch immer wieder vorgestellt: wie ich souverän hineingehe, meine Bedingung klarstelle, mit Aufrichtigkeit und Haltung. Und soll ich dir was sagen?
Am Ende habe ich die Zusage bekommen. Und mein Chef war sichtlich beeindruckt. Alle anderen haben ziemlich dumm geguckt. Ich habe es vorher gewusst, dass es geht. Weil ich mich schon dafür entschieden hatte, dass es leicht geht, bevor ich überhaupt im Raum stand.
Die zweite Situation: als ich ausgewandert bin. Alle Verträge gekündigt, uns abgemeldet, ein komplett neues Leben angefangen. Von überall habe ich gehört: „Das geht nicht so einfach, du wirst bestimmt XYZ für Probleme bekommen.“ Zum Trotz aller habe ich an Leichtigkeit geglaubt und es mir auch immer wieder laut vorgesagt!
Und dann: Es lief reibungslos. Keine Hürden, keine Steine, keine Extra-Gebühren. Während andere es überhaupt nicht verstehen konnten, und monatelang aus Verträgen nicht rauskamen oder noch endlosen Schriftverkehr hatten, war es bei mir einfach alles leicht.
Beide Male war da draußen dieselbe Realität, dieselben Umstände, dieselben Menschen, die mir etwas anderes prophezeit haben. Der einzige Unterschied war, wofür ich mich innerlich entschieden habe, bevor es überhaupt losging.
Wenn du diesem Gedanken weiter nachgehen willst
Wenn du dich für Leichtigkeit statt Druck entscheiden willst, brauchst du keinen großen Plan – nur den ersten ehrlichen Blick auf deine eigenen Gedanken. Genau um solche Fragen geht es in meinem Journaling-Workbook „Ich wähle mich“ 21 Tage, in denen du dich Schritt für Schritt fragst, welche Muster wirklich deine eigenen sind – und welche du einfach übernommen hast, ohne sie je zu hinterfragen. Woche 3 dreht sich genau darum: bewusst wählen, statt automatisch zu reagieren.
